FilmGruppeMünchen
 
Film- und Fernsehproduktion

Über uns


Filme


Produktion- &
Postproduktion



Präsentations-DVDs


Videoshop

 

 

 


Kontakt

Impressum

 

Adalberto, ein '56er Chevy und jede Menge guter Kumpels
   

Eine der wenigen Möglichkeiten für Kubaner, an die überlebenswichtigen Dollars zu kommen und somit eine menschenwürdige Existenz zu führen, ist das illegale Taxifahren. Adalberto ist 34 und studierter Germanist. Er ist das, was man einen kubanischen Yuppie nennen würde. Er war vier Jahre in Deutschland verheiratet, hat gearbeitet und gespart. Von diesem Geld restauriert er sich gerade einen Chevrolet Baujahr 1956. Die Teile dürfen wegen des Handelsembargos nicht aus den USA importiert werden. Sie kommen von Amerika über Holland auf Bestellung nach Deutschland. Deutsche Freunde bringen dann auf Urlaubsreisen nach Kuba die nötigen Teile mit. Ein mühsamer Weg, doch sollte das Projekt endlich gelingen, ist Adalberto ein gemachter Mann. Der Wagen ist vollständig zerlegt, der Motor okkupiert das Wohnzimmer, die Chromteile sind - zum Leidwesen der Freundin - im Schlafzimmer untergebracht, die Elektrik stapelt sich in der Küche. Da Adalbertos Vorhaben illegal ist, muss er viele Tricks und Kniffe anwenden um ans Ziel zu kommen. Auch die private Spenglerei in seiner Nachbarschaft dürfte es eigentlich gar nicht geben. Hier wird der Chevy seit Wochen geschweißt und sorgfältig restauriert - gegen Dollars versteht sich. Für die einheimischen Pesos würde hier niemand einen Finger krumm machen.

Am Stadtrand hat sich Castillio Amando niedergelassen. In Insiderkreisen gilt er als der beste Polsterer der Stadt. Er hat sich auf amerikanische Oldtimer spezialisiert und rekonstruiert die Sitzmöbel nach Originalkatalogen. Auch Castillios Werkstatt ist nur halblegal. Zwar hat er eine Lizenz, doch er verschweigt die wahre Höhe seiner Einkünfte. Eigentlich dürfte er nur kleine Arbeiten gegen Pesos durchführen. Drei Wochen hat er an Adalbertos Auftrag gearbeitet. Auf dem Schwarzmarkt das Leder besorgt, genäht und vor allem aufgepasst, dass es niemand sieht. Denn Kuba ist nach wie vor ein Polizeistaat und das einzige, was wirklich funktioniert ist der Spitzelapparat, wie einst in der DDR. Die größte Hürde auf dem steinigen Weg zu perfekten Oldtimer ist das Lackieren, denn diese Arbeit kann nur in einem staatlichen Betrieb durchgeführt werden. Zwar ist es streng verboten hier Privatautos zu lackieren, doch der Kumpanismo macht es möglich. Die Schwierigkeit liegt darin, dass hier um die 20 Mitarbeiter beschäftigt sind. Alle müssen der Aktion gewogen sein und vor allem mitverdienen können. Nur dann ist es möglich, den Wagen am Freitag kurz vor Feierabend zu bringen und ihn dann am Montag früh fertig lackiert abzuholen. Eine offizielle Lackierung bringt dem Lackierer ein bis zwei Dollar. Entsprechend bescheiden ist dann auch sein Arbeitseinsatz. Die Lackierung ist minderwertig, der Lack schäbig. Da Adalberto eine gute Lackierung will, muss er den Lack selbst besorgen.

Das Ganze kostet ihn dann 300 $ Schmiergeld, denn jeder will Dollars sehen, bis hinauf zum Chef. Als der Chevy endlich seine Jungfernfahrt erlebt, ist es wie das Happy End eines modernen kubanischen Märchens. Rechtzeitig zur jährlichen Oldtimershow in Havanna ist es vollbracht. Es ist der wichtigste Tag des Jahres für alle Taxifahrer mit ihren alten amerikanischen Schlitten. Stolz präsentieren sie ihre aufpolierten Oldtimer, die teilweise über 60 Jahre alt und trotzdem noch voll funktionstüchtig sind.

Länge: 30 Minuten, produziert auf Betacam/SP