FilmGruppeMünchen
 
Film- und Fernsehproduktion

Über uns


Filme


Produktion- &
Postproduktion



Präsentations-DVDs


Videoshop

 

 

 


Kontakt

Impressum

 

Träume aus Blei und Stahl
   

”Participatory journalism", teilnehmender Journalismus, so überschreiben die Redakteure des Revolverblattes "Soldiers of Fortune" ihre Arbeit. Seit 17 Jahren jetten die "SOF"-Korrespondenten Krisenherden hinterher und schießen nicht nur Photos. Gründer und Herausgeber Lieutenant Colonel Bob Brown nennt das ein Spiel mit dem Namen "Going and Doing". Das 'SOF" ist das Journal für den professionellen Abenteurer, das ungeahnte Marktlücken schließt: es wirbt für Urlaub im Minenfeld, bot 1979 dem Land Uganda 10.000 Dollar für die Herausgabe von Idi Amin (in einem Stück), liefert Tipps, wie man mit Kapitalverbrechen straflos davonkommen kann und lädt einmal im Jahr zur Geburtstagsparty nach Las Vegas, um das prospere Fortbestehen adäquat zu feiern.

Die Zockermetropole liefert das ideale Flair von Vergnügen und Freiheit: Nevada ist der freiheitlichste US-Bundesstaat was Glücksspiel und Waffengesetze angeht. Granatwerfer zu zünden gilt als gesellschaftliches Spiel: Hier herrscht eben noch echte Cowboymentalität. Auf dem 5-tägigen ‚SOF‘-Kongress werden nicht nur Kriegsgeschichten ausgetauscht, Vorlesungen über eine neue Weitordnung gehalten und Waffen jeglichen Kalibers feilgeboten, sondern es darf auch zur Tat geschritten werden. Vom Damenpistölchen bis zur ‚Original-Terminator-Pumpgun‘ sind alle Waffen scharf und der amerikanische Traum verwirklicht sich in der ‚Firepower-Demonstration‘: 15 Minuten lang feuern die Helden Blei im Werte einer sechsstelligen Summe in die Berge der Wüste von Nevada. Auf diesen climax ultimo wird auf der Söldner-Messe gezielt hintrainiert: praktisch mit Übungen wie dem Messernahkampf oder dem abendlich am Pool abgehaltenen ‚Pugile-Stick‘-Wettkampf und theoretisch mit kriegsverherrlichenden Videos, entsprechender Literatur und Vorlesungen über Themen wie ‚Abschlachten auf dem Balkan‘ oder ‚Legaler Terrorismus‘.

Interessierte sind nicht nur Veteranen, Laos-Freiheitskämpfer, CIA-Mitglieder, Polizisten, ganz normale Hausfrauen mit Kindern im Schlepptau, sondern auch deutsche Nazis. So zum Beispiel ist der Chefredakteur Tom Silzewski Deutscher und zu allem Überfluss nur 40 km entfernt von Braunau geboren, wie er stolz berichtet. Der Grund für solch herbe Cowboymentalität ist sicherlich auch die mit der sozialen Verelendung ansteigende Kriminalität im überkochenden Schmelztiegel. Die Bevölkerung rüstet sich privat auf, weil der Staat ja machtlos scheint. Das Waffengeschäft ist eines der wenigen das noch blüht: 150 verschiedene Waffenmagazine sind am Kiosk zu haben und eine Pro-Gun-Commission plant die Gründung einer eigenen Partei. Die Scheinsicherheit einer Kanone ist das Symbol dieser typisch amerikanischen Existenzen, die in der Glitzer-Glamour-Welt der Spielerstadt für das europäische Auge noch um so bemerkenswerter wirkt. Hier wird jahrelang noch einmal alles auf die letzte Karte gesetzt, die Kasino-Desperados oder die vielen All-you-can-eat-Buffets, den Double-Jackpot-Supergewinnen, dem ultimativen Jetztzeit-Nirvana.

Länge: 30 Minuten, produziert auf Betacam/SP